
Eben noch stürmen die Kinder als Horde in ein Foyer, müssen sich aufstellen für den Einlass, langweilen sich und selbst wenn sie endlich alle ihren Platz gefunden haben, ist zu spüren, wie gern sie nicht stillsitzen würden. Dann kommt mein Lieblingsmoment im Theater. Das Spiel auf der Bühne beginnt, es wird langsam still, alle Unruhe legt sich und die Köpfe, die eben noch wie wild nach allen Seiten flogen, bleiben plötzlich der Bühne zugewandt. Das geschieht natürlich nur, wenn das Spiel zu faszinieren vermag, Spannung aufgebaut und gehalten werden kann. In einem Dreispartentheater machte ich über Jahre hin bei Schulvorstellungen die Beobachtung, dass Kinder und Jugendliche auf das Bühnengeschehen fast seismographisch reagieren. Werden sie unruhig bis unleidlich und wollen der Aufführung nicht mehr folgen, sind nicht sie die Unruhestifter, meistens stimmt dann auf der Bühne etwas nicht. Der Spannungsverlust kommt allererst von dort und überträgt sich auf sie.
Bei all den Aufführungen, die nun bei SPOT gezeigt werden und bei vielen mehr, die ich als Jurorin gesehen habe, erlebte ich meinen Lieblingsmoment. Natürlich waren die jungen Zuschauer danach nicht eine Stunde lang mucksmäuschenstill, aber doch überwiegend ruhig, entspannt mitdenkend, lachbereit und vor allem auch bereit zu Mitgefühl und spontaner Anerkennung durch aufrichtigen Applaus.
Hildegard Kraus
Dramaturgin und Kuratorin SPOT 2007
